Wie kann ich reagieren, wenn sich herausstellt, dass einer meiner Mitarbeiter seine Zeugnisse gefälscht hat?

Gefälschte Bewerbungsunterlagen sind kein Kavaliersdelikt. Stellt sich heraus, dass Ihr Mitarbeiter seinen Bewerbungsunterlagen ein gefälschtes Arbeitszeugnis beigelegt hat, können Sie den bereits geschlossenen Arbeitsvertrag anfechten oder gar kündigen.

Möchten Sie den Arbeitsvertrag aufgrund arglistiger Täuschung anfechten, muss der Vertrag wegen des gefälschten Zeugnisses abgeschlossen worden sein. Hat das Zeugnis keine Rolle bei der Einstellung gespielt, haben Sie nicht die Möglichkeit der Anfechtung. Meist kann aber davon ausgegangen werden, dass die eingereichten Bewerbungsunterlagen Einfluss hatten (siehe dazu LAG Baden-Württemberg, 5 Sa 25/06 sowie LAG München, 4 Sa 159/07).

Können Sie den Arbeitsvertrag Ihres Mitarbeiters aufgrund arglistiger Täuschung anfechten, besteht im Allgemeinen auch die Möglichkeit, die außerordentliche Kündigung auszusprechen, die das Arbeitsverhältnis fristlos beendet.

Zwischen Anfechtung und außerordentlicher Kündigung existieren allerdings unterschiedliche Anforderungen. Während Sie bei einer außerordentlichen Kündigung einen etwaigen Sonderkündigungsschutz sowie die 2-Wochen-Frist berücksichtigen müssen, ist die Anfechtung ohne Kündigungsschutz möglich. Hier müssen Sie allerdings die 10-Jahres-Frist berücksichtigen: Eine Anfechtung des Arbeitsvertrages ist für Sie als Arbeitgeber zehn Jahre nach Abschluss des Arbeitsvertrages nicht mehr möglich.

Damit Unternehmen gar nicht erst in diese Situation kommen, lassen sie mittlerweile die Unterlagen ihrer Bewerber überprüfen. Mehr dazu erfahren Sie in dem Artikel Mogelei in der Bewerbungsmappe auf ZEIT ONLINE.



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